5 Apr 2026, Sun

Valerie Eickhoff: Kriminalpolizist-Vater und Finanz-Mutter unterstützten Opern-Karriere

Valerie Eickhoff, Opera singer

Valerie Eickhoff stammt aus bodenständigen Verhältnissen in Herdecke. Ihr Vater arbeitet als Kriminalpolizist in Bochum, ihre Mutter hat eine Ausbildung zur Bankkaufrau absolviert und ist heute im Finanzbereich eines Start-ups tätig – ein Elternhaus fernab der Opernwelt, das die internationale Karriere der Mezzosopranistin dennoch entscheidend prägte.

Eltern mit anfänglichen Bedenken

Geboren am 10. Mai 1996 in Herdecke, wuchs Valerie Eickhoff in einer Familie auf, die zunächst skeptisch gegenüber ihrer außergewöhnlichen Berufswahl reagierte. Ihr Vater ist Kriminalpolizist bei der Polizei in Bochum, ihre Mutter hat eine kaufmännische Ausbildung zur Bankkaufrau absolviert und kümmert sich heute um die Finanzen eines Start-up-Unternehmens.

Als Valerie 2012 mit gerade einmal 16 Jahren bei der Casting-Show “The Winner is…” teilnahm, zeigten die Eltern erste Bedenken. Die Vorstellung, dass ihre Tochter eine Karriere im Rampenlicht anstrebt, war ungewohnt für die bodenständige Familie aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Doch diese anfängliche Skepsis sollte sich schnell legen.

Von der Gitarre zum Gesang

Die musikalische Förderung begann früher, als die Eltern ahnten. Sie finanzierten zunächst Klavier- und Gitarrenunterricht für ihre Tochter. Doch Valerie gibt heute offen zu: “Dann war ich zu faul zum Üben.” Paradoxerweise wurde ausgerechnet die Gitarrenlehrerin zur Schlüsselfigur in ihrem Leben – sie erkannte Valeries außergewöhnliche Stimme und empfahl Gesangsunterricht. Das Mädchen war damals zehn Jahre alt.

Die Eltern unterstützten diesen Weg, auch als Valerie schnell an der Chorakademie Dortmund aufgab. Sie empfand die dortige Atmosphäre als zu streng und beendete die Teilnahme zügig – eine Eigenschaft, die ihre Eltern akzeptierten und förderten: Nein zu sagen, wenn sie sich unwohl fühlte.

Mutter als Managerin des Jungstudiums

Als Valeries Gesangslehrerin die Möglichkeit eines Jungstudiums erwähnte, war es insbesondere Mutter Eickhoff, die sich intensiv damit auseinandersetzte. Sie organisierte die komplexe Struktur aus regulärem Schulbesuch und parallelem Musikstudium an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Professor Konrad Jarnot.

Ab 2012, mit nur 16 Jahren, pendelte Valerie einmal wöchentlich nach der Schule von Herdecke nach Düsseldorf. Die schulischen Leistungen durften dabei nicht leiden – eine Bedingung der Eltern. “So guter Durchschnitt”, bleibt Valerie in der Erinnerung vage. Klar ist: Viel schlechter hätte es nicht werden dürfen, sonst wäre das nebenschulische Studium beendet gewesen.

Verzicht auf Weltreise für die Stimme

Während viele Altersgenossen nach dem Schulabschluss die Welt bereisten, kam dies für Valerie nicht infrage. “Der Gedanke, dass ich dann ein Jahr lang nicht singe, das wollte ich nicht riskieren”, erklärt sie. Auch hier akzeptierten die Eltern ihre Prioritätensetzung, obwohl einige Cousins und Cousinen genau diesen Weg gingen.

Heute unterstützen die Eltern ihre Tochter bedingungslos. Sie wohnen weiterhin in Herdecke und verfolgen die internationale Karriere ihrer Tochter mit Stolz. Dass aus dem Mädchen, das zu faul zum Gitarrenüben war, eine mehrfach preisgekrönte Opernsängerin wurde, hätten sie damals kaum geahnt.

Steile Karriere trotz bodenständiger Herkunft

2021 gewann Valerie Eickhoff den 3. Preis des ARD-Musikwettbewerbs in der Kategorie Gesang. Im Januar 2022 folgte der doppelte Emmerich Smola Preis: Medienpreis für junge Opernstars und Orchesterpreis. Beim Concours musical international de Montréal holte sie im Juni 2022 den 3. Preis in der Kategorie Aria. Den Höhepunkt bildete der Victoria de Los Angeles Preis beim renommierten Tenor Viñas Competition.

2024 wurde sie mit dem Opus Klassik als Nachwuchskünstlerin des Jahres ausgezeichnet – für ihr Album “Hollywood Songbook” mit Liedern von Hanns Eisler. Seit der Saison 2024/25 ist sie festes Ensemblemitglied der Semperoper Dresden, eines der renommiertesten Opernhäuser Europas.

Internationale Engagements mit familiärem Rückhalt

In der Saison 2025/26 steht ihr US-Debüt als Idamante in Mozarts “Idomeneo” mit Boston Baroque an. An der Bayerischen Staatsoper kehrt sie als Cherubino in “Le nozze di Figaro” zurück. In Dresden verkörpert sie unter anderem Prinz Orlofsky in “Die Fledermaus”, Zerlina in “Don Giovanni” und die Titelrolle in “Hänsel und Gretel”.

Während ihr Vater weiterhin in Bochum Verbrechen aufklärt und ihre Mutter die Finanzen eines Start-ups verwaltet, erobert ihre Tochter die großen Opernhäuser der Welt. Die bodenständige Herkunft aus Herdecke und die anfängliche Skepsis der Eltern sind längst einer tiefen Bewunderung gewichen – für eine Tochter, die früh wusste, was sie will, und die den Mut hatte, ihren außergewöhnlichen Weg zu gehen.

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