
Alina Meissner-Bebrout, geboren 1990 in München, ist eine der jüngsten Sterneköchinnen Deutschlands. Die Chefin des Restaurants “bi:braud” in Ulm wuchs als Tochter eines Pianisten von den Niederländischen Antillen und einer Düsseldorfer Physiotherapeutin im Unterallgäu auf – eine multikulturelle Herkunft, die ihre Küche bis heute prägt.
Die Herkunft von Alina Meissner-Bebrout ist so vielfältig wie ihre Küche. Ihr Vater stammt von den Niederländischen Antillen und arbeitete als Pianist, ihre Mutter ist eine Physiotherapeutin aus Düsseldorf. Diese Kombination aus karibischen und deutschen Wurzeln prägte Alinas Aufwachsen im Unterallgäu nachhaltig.
In Interviews erinnert sich die 35-Jährige daran, wie ihre Kindheit geschmacklich nach Reis, Bohnen und Hühnchen schmeckte – einem traditionellen Gericht aus der karibischen Heimat ihres Vaters. Trotz dieser kulinarischen Vielfalt zu Hause war Essen gehen in gehobenen Restaurants keine Selbstverständlichkeit in ihrer Familie. Die bescheidenen Verhältnisse – eine Physiotherapeutin und ein Pianist als Eltern – ermöglichten keine regelmäßigen Besuche in der Sternegastronomie.
Alina Meissner-Bebrout interessierte sich in ihrer Jugend nicht besonders für die Schule. Mit 16 Jahren stand sie vor der Entscheidung, welchen Beruf sie erlernen wollte. Eine Freundin schlug ihr vor, es doch mal mit einem Praktikum in einem Restaurant zu versuchen. Dieser Ratschlag sollte ihr Leben verändern.
Das Praktikum absolvierte sie im Landhaus Henze in Probstried bei Kempten, einem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Betrieb. Nach nur einem Tag wusste sie: “Das passt.” Die direkte Art in der Küche, das Arbeiten unter Hochdruck und vor allem die kunstvolle Präsentation der Gerichte in der Haute Cuisine faszinierten sie sofort. In diesem Betrieb absolvierte sie anschließend ihre Kochausbildung.
Nach ihrer Ausbildung sammelte Meissner-Bebrout Erfahrungen in einigen der renommiertesten Küchen Deutschlands. Besonders prägend war ihre Zeit bei Sven Elverfeld im Drei-Sterne-Restaurant “Aqua” in Wolfsburg, wo sie die hohe Kochkunst von einem der einflussreichsten Köche Deutschlands lernte.
Es folgten weitere Stationen: eine Saison auf einer Berghütte in Tirol, ein Boutique-Hotel auf Mallorca und schließlich das Traditionslokal Pflugmerzler in Ulm. In Ulm verliebte sie sich – sowohl in die Stadt als auch in ihren heutigen Ehemann Steffen Meissner.
2014 wagte Meissner-Bebrout mit gerade einmal 24 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit und übernahm ein kleines Lokal unweit des Ulmer Münsters. Ohne finanzielle Unterstützung war dieser Schritt mutig: “Wenn man mit 24 Jahren zur Bank geht, bekommt man keine Kredite”, erinnert sie sich. Zunächst stand sie komplett allein in der Küche und servierte relativ einfache Gerichte.
Aus diesem bescheidenen Anfang entwickelte sich das “bi:braud”, eine der kleinsten Sterneküchen Deutschlands. Was als legerer Tapas-Abend mit wechselnder Karte begann, verwandelte sich über die Jahre in ein Fine-Dining-Restaurant mit ausgefeiltem Konzept.
2023 erkochte sich Alina Meissner-Bebrout ihren ersten Michelin-Stern – eine Sensation für die damals 33-Jährige. Zusätzlich erhielt sie den Guide Michelin Young Chef Award, der außergewöhnliche junge Führungskräfte in der Gastronomie auszeichnet. Sie zählt damit zu den jüngsten Küchenchefinnen mit Michelin-Auszeichnung im Land.
Das internationale Gastronomiefachmagazin “Rolling Pin” nahm sie in die Liste der “100 Best Chefs” auf. Als bestplatzierte Frau auf Rang 17 gilt sie als die beste Köchin Deutschlands. Weitere Auszeichnungen wie zwei Hauben im “Gault&Millau”, 89 Punkte im “falstaff” und die Auszeichnung als “Entdeckung des Jahres 2023” folgten.
Ihren Kochstil beschreibt Meissner-Bebrout als “Symbiose aus schwäbischer und französischer Küche”. Doch bei genauem Hinsehen erkennt man auch Einflüsse ihrer multikulturellen Herkunft. Ihre Gerichte setzen auf regionale Produkte statt auf Luxuszutaten und verbinden klassische Techniken mit innovativen Ideen.
Sellerie bleibt eines ihrer Lieblingsgemüse, und Gerichte wie Spargel mit Hollandaise-Verjus oder Kalbsbries mit Malz-Kalbs-Jus zeigen ihre Meisterschaft in klassischen Soßen. Gleichzeitig findet man auch mal eine raffiniert interpretierte Leberwurststulle auf der Karte – bodenständig und gleichzeitig überraschend.
Seit 2023 betreibt Meissner-Bebrout zusätzlich zum “bi:braud” die “Edda Brasserie” in Ulm, wo deutsch-französische Küche in entspannter Atmosphäre serviert wird. 2026 wird sie gemeinsam mit ihrem Mann Steffen das historische Hotel Bäumle übernehmen und zum “Maison Meissner” umgestalten – ein Design-Hotel mit 15 Zimmern und Restaurant.
Heute beschäftigt die Sterneköchin rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch TV-Formate wie “The Taste”, “Star Kitchen” und “Die Küchenschlacht” wurde sie einem breiteren Publikum bekannt. Sie steht stellvertretend für eine neue Generation in der Gastronomie: jung, innovativ und multikulturell – genau wie ihre eigene Herkunft.
