
Nellie Thalbach, geboren 1995 in Berlin, ist die jüngste Generation der berühmten Schauspielerdynastie Thalbach-Besson. Als Tochter von Anna Thalbach wuchs sie in einer Familie auf, die das Theater in der DNA trägt – doch über ihren leiblichen Vater ist nur wenig bekannt.
Die Frage nach Nellie Thalbachs Vater führt zu einer komplexen Familiengeschichte. Nellie wurde 1995 als Tochter der Schauspielerin Anna Thalbach geboren. Ihr biologischer Vater wurde nie öffentlich benannt, und Nellie selbst erwähnte in einem Interview 2016, sie habe einen Vater, zu dem sie aber wenig Kontakt habe.
Die väterliche Seite ihrer Familie lässt sich über ihre Mutter Anna zurückverfolgen: Annas leiblicher Vater ist der Schauspieler Vladimir Weigl, geboren am 28. Juli 1950 in Bukarest. Weigl heiratete 1972 Katharina Thalbach, aus dieser Ehe ging Anna hervor. Die Ehe wurde bereits 1973 wieder geschieden – Anna war gerade erst geboren.
Vladimir Weigls eigene Familiengeschichte ist bemerkenswert: Sein Vater, der Psychologe und Sprachforscher Egon Weigl, floh 1933 vor den Nationalsozialisten aus Berlin nach Bukarest. 1961 kehrte er auf Anraten seiner Cousine Helene Weigel – der legendären Ehefrau Bertolt Brechts – mit seiner Familie in die DDR zurück. Vladimir Weigl ist also ein Großneffe zweiten Grades von Helene Weigel, was die Verbindung zur Brecht-Tradition verstärkt.
Nellie Thalbach wächst in einer Familie auf, die von starken Frauen geprägt ist. Ihre Urgroßmutter Sabine Thalbach war eine berühmte Brecht-Darstellerin am Berliner Ensemble. Großmutter Katharina Thalbach ist eine der bedeutendsten deutschen Schauspielerinnen und Regisseurinnen ihrer Generation. Mutter Anna Thalbach machte sich ebenfalls als vielseitige Schauspielerin und mehrfach ausgezeichnete Hörbuchsprecherin einen Namen.
In dieser Familie spielten Männer traditionell nur Nebenrollen. Katharina Thalbachs Vater war der Schweizer Regisseur Benno Besson, mit dem sie lange zusammenarbeitete. Doch das Familienoberhaupt blieb stets weiblich. Katharina selbst beschreibt die Dynamik augenzwinkernd: “Ich bin das Alphatier, und sie machen, was sie wollen.”
Nellie wuchs hauptsächlich bei ihrer Mutter Anna in Berlin auf. Mit zwölf Jahren entschied sie sich, auf ein Internat in der Nähe von Hamburg zu gehen, wo sie fünf Jahre blieb. “Klingt vielleicht verrückt, aber ich mag Regelmäßigkeit”, erklärte sie 2016. Die Jahre im Internat seien eine gute Schule gewesen, umgeben von Gleichaltrigen, die ähnliche Probleme teilten.
Ihre Kindheit war geprägt von einer Mutter, die oft auf Tournee war, und einem kulturell anspruchsvollen Umfeld voller Menschen, die sich für anspruchsvolle Bücher, Kunst und Film interessierten. Den Lebensstil der Thalbachs beschreibt sie als etwas, das man automatisch mitbekommt: “Du kriegst nicht nur das Schauspielern in die Wiege gelegt, sondern auch den Lebensstil.”
Mit sieben Jahren stand Nellie zum ersten Mal auf der Bühne – als kleine Polly in Brechts “Dreigroschenoper” am Maxim-Gorki-Theater. Danach folgte eine lange Pause. Sie probierte sich aus, arbeitete als Kostümbildnerin und jobbte sogar an der Kasse bei Kaiser’s, was sie nach zwei Wochen wieder aufgab.
Erst 2014 kehrte sie ins Theater zurück, als Großmutter Katharina aus zwei Gerhard-Hauptmann-Dramen “Roter Hahn im Biberpelz” inszenierte und die Hauptrollen mit Tochter und Enkelin besetzte. “Diesmal hätte ich Blut geleckt”, erzählte Nellie. Das Gefühl, Menschen zu berühren, sei unbeschreiblich.
2016 standen Katharina, Anna und Nellie Thalbach zum ersten Mal gemeinsam für einen Film vor der Kamera: In der ARD-Sozialkomödie “Wir sind die Rosinskis” spielten sie ebenfalls eine Familie – eine lautstarke, aber liebevolle Patchwork-Familie, die zusammenhält wie Pech und Schwefel.
Die Harmonie im echten Leben scheint ähnlich zu sein. Alle drei haben eigene Wohnungen in Berlin, treffen sich aber regelmäßig. Sie verreisen gemeinsam, kochen zusammen und teilen sich gelegentlich sogar ein Bett im Urlaub. Gestritten wird selten, denn Unstimmigkeiten kommen sofort auf den Tisch.
Inzwischen hat sich Nellie als Schauspielerin etabliert. Sie spielte in Filmen wie “Munich: The Edge of War” (2021) und “Prey” (2021) mit. Als Synchronsprecherin arbeitet sie regelmäßig mit Mutter und Großmutter zusammen, etwa für “Der kleine Rabe Socke”.
Mit 30 Jahren hat sie den Traum verwirklicht, den sie mit 21 formulierte: eine eigene Karriere aufzubauen, unabhängig vom berühmten Familiennamen. Ob sie auch den Plan verwirklicht hat, bis 30 Mutter zu werden und “mit einer weiteren Thalbach-Tradition zu brechen” durch einen Sohn, ist nicht öffentlich bekannt. Doch eines ist sicher: Die Thalbach-Tradition lebt in vierter Generation weiter.
